Murrhardt - gezeichnet und gezackt

Murrhardt - An diesem bitter kalten Samstag gehen die Marken weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Ungezählte Besucher des Weihnachtsmarkts kaufen die erstmals vorgestellten Murrhardter Sonderbriefmarken. Mit dieser Aktion wird das dreifache Stadtjubiläum eingeläutet, das 2013 ansteht: die erste urkundliche Erwähnung Murrhardts vor 1225 Jahren, die Verleihung der Marktrechte vor 725 Jahren sowie die Zugehörige der Stadt zu Württemberg seit 625 Jahren.

 

Die Sondermarke zeigt die imposante Stadtkirche, die Alte Abtei sowie das Amtshaus. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus einem Aquarell der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Murrhardter Malerin Trude Schüle. Die Künstlerin hat viele Winkel der ehemaligen Oberamtsstadt gezeichnet. Die kommunale Briefmarkenkommission mit Vertretern von Stadtverwaltung und Gemeinderat hatte ungezählte Motive zur Auswahl, nicht nur Kunstwerke, sondern auch Fotografien. Doch man sei sich ganz schell einig gewesen, dieses Bild von Trude Schüle auszuwählen, sagt Uwe Matti, der Amtsleiter für Wirtschaft, Kultur und Tourismus. Das Aquarell zeige nämlich „die geistige und die weltliche Seite“ der altehrwürdigen Stadt. Im Amtshaus arbeitet heute das Stadtbauamt, die Alte Abtei war einst Teil des Murrhardter Klosters, dessen Anfänge in dem alten, 1225 Jahren alten Dokument genannt werden. Die Deutsche Post biete das Programm „Marke individuell“ seit einiger Zeit jedermann an, sagt Matti, das sei aber erstaunlicherweise kaum bekannt. Für die 10 000 Briefmarken mit dem Murrhardter Motiv hat die Stadt zusätzlich zum Nennwert rund 1400 Euro bezahlt.

 

Die Postwertzeichen sind 58 Cent wert, so viel kostet das Verschicken eines Standardbriefs vom nächsten Jahr an. Die Stadt verkauft die 20er-Bögen indes für 17 Euro – der Zuschlag von 27 Cent je Marke kommt dem Projekt Pilgerstaffel zugute. Rolf Schweizer vom Schweizermuseum sammelt seit Jahren Geld für den Wiederaufbau des alten Staffelwegs, der früher vom Stadtgarten hinauf zur Walterichskirche führte und nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört wurde – vermutlich, um Material für den Hausbau zu gewinnen.

 


 

Artikel aus der Stuttgarter Zeitung, 09.12.2012, Martin Tschepe