Malerin Trude Schüle: Vielseitig und vielfach engagiert

Meterlange Schlangen bildeten sich vor dem Haus der Städtischen Kunstsammlung in Murrhardt. Zu Hunderten kamen Freunde und Wegbegleiter, um der Malerin Trude Schüle die Ehre zu erweisen.

BRIGITTE HOFMANN | 
 

"Liebe Freude, ich bin überwältigt!" Zwar habe sie mit vielen, aber niemals mit so vielen Gästen gerechnet. Fast eine Stunde lang musste Trude Schüle Hände schütteln. "Faszination Aquarell" heißt die jüngste Ausstellung der Murrhardter Malerin, die anlässlich des bevorstehenden 85. Geburtstags im Reinhold-Nägele-Saal eröffnet wurde. Sie zeigt die ganze Bandbreite der Künstlerin, vom Aquarell über die Tinten- und Bleistiftzeichnung bis hin zur Kalligrafie. Von Kuratorin Heide von Berlepsch wirkungsvoll in Szene gesetzt, ist die Ausstellung noch bis 16. November zu sehen.

Ranghohe Vertreter des öffentlichen Lebens hatten sich eingefunden, Familie, Mal- und Kunstfreunde und Bekannte. Sie alle sahen und bewunderten eine Frau, die trotz mancher Unbequemlichkeit, die das Alter mit sich bringt, frohgemut und tatkräftig mitten im Leben steht. "Lieber krank leben, als gesund sterben", lautet ein Zitat von Manfred Rommel, das auch der rührigen Murrhardterin als Motto dient. Detlef Neumann, der in die Ausstellung einführte, zeichnete das Bild einer engagierten und hoch geschätzten Künstlerin sowie einer unternehmungs- und abenteuerlustigen Person. Allerdings, so fügte er an, verstehe sie es zu selektieren, zu optimieren und kompensieren, um vorhandene Defizite auszugleichen. Was sie brauche, so Neumann augenzwinkernd, sei eine Rohrfeder, Sepia-Tinte, ein Stühlchen und ihren Hut.

Jede Menge Motive hatte Trude Schüle von ihren Reisen mitgebracht, aber auch Häuser oder Landschaften der Umgebung in ihren Bildern festgehalten. Bürgermeister Armin Mößner unterstrich den dokumentarischen Wert für die Stadt und geriet sogleich ins Schwärmen. "Sie fängt den flüchtigen Augenblick ein und lässt ein Kunstwerk entstehen." Trude Schüles Verdienste würdigte er im Anschluss, als er ihr die Bürgermedaille der Stadt Murrhardt verlieh und sie damit in die Reihe der würdigen Vertreter der Stadt rückte. Ebenfalls schon einen Namen gemacht hat sich die junge Murrhardterin Miriam Wallau, die mit dem Spiel auf dem Marimbaphon und der Trommel den Festakt umrahmte. "Das ist die Krönung", freute sich Trude Schüle, die sich bei allen ihren Gäste für die entgegengebrachte Wertschätzung bedankte. Ihren engsten Freunden und Unterstützern überreichte sie zudem ein "kleines Schätzchen".

Ein Glanzlicht im Jahr 2014 und ein längst überfälliger Schritt sei, so Bürgermeister Armin Mößner, das Lebenswerk der Künstlerin zu würdigen. In herausragendem Maße habe sich Trude Schüle auf kulturellem Gebiet Verdienste erworben und den Namen Murrhardt weit über die Stadtgrenzen hinausgetragen. Sie sei eine hervorragende Botschafterin für die Stadt und "ein echtes Murrhardter Original". Lobend erwähnte er auch die 802 Werke, die sie im Jahr 2011 in die Trude-Schüle-Stiftung eingebracht hatte, um den künstlerischen Nachwuchs zu fördern. Er wünschte ihr weiterhin alles Gute, Gesundheit und Lebensfreude. Und die legte die Geehrte auch prompt an den Tag. Vor Freude strahlend nahm sie Anerkennung und Glückwünsche entgegen.

 

Quelle: Hohenloher Tagblatt vom 14.10.2014